IRKUTSK

Die Region Irkutsk, die am tiefsten und reinsten See der Welt, dem Baikalsee, liegt, ist eine der größten und wirtschaftlich erfolgreichsten Regionen Russlands. Pribaikalje, wie es noch genannt wird, liegt in Ostsibirien, ca. 5000 km von Moskau entfernt, mit einem Zeitunterschied von 5 Stunden. Die Region wurde 1937 gebildet. Auf dem Wappen ist ein Babr abgebildet, der einen roten Zobel im Maul trägt.
Russische Kolonisation erreichte Pribaikalje in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, es wurden erste russische Siedlungen gegründet, die sogenannten Ostrogi, die später zu Städten wurden. Um 1653 wurde Irkutskiy Ostrog gegründet, am Ufer des Flüßchens Irkut. Bis zur Revolution war Irkutsk das Zentrum des gleichnamigen Gouvernements und Residenz des Generalgouverneurs von ganz Sibirien. Bereits ab dem 18. Jahrhunderts hatte Irkutsk die Rolle des wichtigsten Vorpostens Russlands im Osten, des Zentrums diplomatischer und wirtschaftlicher Beziehungen mit China und Japan und des Zentrums der sibirischen Erschließung. Im 19. Jahrhundert diente Pribaikalje als Ort für den Exil von Dekabristen, und im Jahre 1918 wurde in Irkutsk Admiral Kolcak erschossen, einer der Führer der konterrevolutionären weißen Bewegung.
Flächemäßig belegt die Region Irkutsk Platz 6 in Russland, bevölkerungsmäßig (2,6 Millionen) Platz 20. Die Besiedlung der Region ist höchst ungleichmäßig: zwei Drittel der Einwohner leben in einem engen Korridor entlang der Transsibirischen Eisenbahn und der Autobahn Krasnojarsk - Irkutsk. Die Mehrheit bilden ethnische Russen, es gibt 1% mongolische Burjaten. Es gibt relativ große muslimische Gemeinden, hauptsächlich durch die Tataren, sowie katholische Gemeinden von Polen.
In der Stadt Irkutsk leben 600.000 Einwohner, andere große Städte sind Bratsk (300.000) und Angarsk (270.000). Um Irkutsk herum bildete sich eine starke Agglomeration, in der mehr als die Hälfte der Einwohner der Region leben.
Das Klima der Region ist stark kontinental, es sind erhebliche Temperaturschwankungen charakteristisch, ein kalter Winter mit einem kurzen Sommer und kurzen Frühlings- und Herbstperioden. Die klimatischen Bedingung sind ziemlich hart, besonders im Norden der Region, wo die Lufttemperatur im Winter auf bis -50° Celsius sinken kann, während sie im Süden im Sommer 35° Celsius beträgt. Praktisch der ganze nördliche und mittlere Teil der Region befinden sich im Bereich des Permafrostbodens, auf dem keine Landwirtschaft denkbar ist. Dafür wird sie im Süden umso intensiver betrieben. Flora und Fauna der Region sind sehr vielfältig, besonders die Ychtiofauna des Baikalsees. Hier wurden mehrere große Nationalparks errichtet.
Die Region Irkutsk ist sehr reich an unterschiedlichen Naturressourcen, unter denen Holz- und hydroenergetische Ressourcen dominieren. Daneben exisitieren auf dem Gebiet der Region Öl-, Gas-, Steinkohle-, Eisenerz-, Salz-, Gold-, Graphit- und Bauxitvorkommen.
Die Errichtung der Transsibirischen Magistrale am Ende des 19. Jahrhunderts war ein Schub für die wirtschaftliche Entwicklung der Region, und heute ist Irkutsk eine der industriell erschlossensten Regionen Russlands. Dank der starken industriellen Basis ist Irkutsk heute eine der größten Geber-Regionen (in Russland gibt es auch eine Art Länderfinanzausgleich). Die Industrie hat überwiegend Rohstoffcharakter. Am Entwickeltsten ist hier die Elektroenergetik. Auf der Grundlage der günstigen Elektroenergie existieren auch zahlreiche verarbeitende Betriebe, überwiegend der Buntmetallurgie, inlusive riesige Alluminiumkombinate. Auch ist die Bergbau-, Gold-, Holz-, Chemie-, Ölverarbeitungs- und Nahrungsmittelindustrie vertreten. Die "Irkutskenergo" AG ist landesweit die einzige Energiegesellschaft die nicht dem Monopol von RAO EES untersteht und infolge dessen bestehen in der Region landesweit günstigste Preise auf Elektrizität. Aktuell werden in der Region Erschließungsprojekte von mehreren Erdgas- und Goldvorkommen durchgeführt, teilweise mit ausländischen Investitionen ermöglicht. Die ökologische Situation läßt durch die starke Industriekonzentration zu wünschen übrig.
Das administrative Zentrum der Region, die Stadt Irkutsk, ist ein großer Verkehrsknoten Ostsibiriens, durch sie geht die Transsibirische Magistrale, durch sie wird der Schiffsverkehr auf der Angara und dem Baikal realisiert. Der in Ust-Kut gelegene Flußhafen Osetrovo ist der Hauptumschlagsplatz für den Warenverkehr nach Jakutien, bei Osetrovo zweigt sich ab und beginnt die Baikal-Amur-Magistrale (BAM).
Irkutsk ist ein großes Finanzzentrum mit einer großen Zahl von Banken und Börsen, sowie ein Kultur und Wissenschaftszentrum. Hier gibt es mehrere Universitäten, darunter die älteste in Sibirien Irkustker Universität. Hier befindet sich auch die Höchste Aviatorisch-Technische Tupolev-Akademie. In der Stadt gibt es mehrere Theater, eine Philharmonie, sowie viele Museen.
In politischer Hinsicht ist die Region Irkutsk relativ ruhig. Der Gouverneur Boris Govorin wurde 1997 gewählt. Trotz ihrem bedeutenden wirtschaftlichen Potenzial war die Region in politischer Hinsicht nie auffällig und ist durch eine relative politische und soziale Stabilität gekennzeichnet. Eine besondere Stelle nehmen die Naturschutzorganisationen ein, was mit der angespannten ökologischen Situation zusammenhängt, sowie mit der Ökologie des Baikalsees, in erster Linie mit der Verschmutzung des Baikal durch das Irkutsker Papierkombinat, dessen Schließung seit seiner Enstehung permanent verlangt wird (jedes Jahr werden staatliche Komissionen zur Überprüfung gebildet, manchmal kommt es sogar zu Kuriositäten, als in den 80ern ein Akademiker demonstrativ ein Glas Wasser direkt aus dem Abflußrohr schöpfte und trank, um zu zeigen, wie "sauber" die Abwasser des Kombinats sind).
Die Hauptsehenswürdigkeit der Region ist natürlich der Baikalsee. An seinen Ufern liegen zahlreiche Sanatorien und Erholungscamps. Baikal ist eins der malerischsten Seen der Welt, seine ganze Küste ist mit Buchten und Fjorden übersäht. Die riesige Wassermasse hat einen mäßigenden Einfluß auf das umliegende Klima. Die Temperatur des Wassers, das eine hohe Transparenz aufweist, beträgt ca. 10°C, im Sommer an manchen seichten Stellen bis 20°C. Im Allgemeinen ist der Baikal ein einzigartiges Naturobjekt, mit 2600 Tier- und Pflanzenarten, von denen 3/4 endemisch sind, d.h. sie kommen nur hier und sonst gar nicht vor. Die bekannteste Art ist die Nerpa, die weltweit einzige Süsswasserrobbe.
Am Ufer der Krestovaia-Bucht, auf dem Berg, befinden sich Überreste einer altertümlichen Ureinwohnersiedlung aus dem 9. Jahrhundert, nördlicher davon gibt es Felsen mit Hieroglyphen aus dem Bronze-Zeitalter. Rund um den Baikal gibt es zahlreiche malerische Wasserfälle und Felsen, die Bergsteiger aus dem ganzen Land anziehen.
Sehenswürdigkeiten
BOULERVARD GAGARINA. Hier erhebt sich das Denkmal für die Entdecker Sibiriens. Es entstand bald nach dem AbschluB der Bauarbeiten an der GroBen Transsibirischen Eisenbahnlinie (1981-1904).
DAS IRKUTSKER HEIMATKUNDEMUSEUM.
Geöffnet von 10 bis 18, Ruhetag – Montag.
Das Museum ist im Jahre 1782 gegründet. Die Seitenfassade dieses originellen, im mauretanischen Stil erbauten Gebäudes schmückt die Kuppel des ersten sibirischen Observatoriums. Die Sammlung des Museums verfügt über mehr als 350 000 Exponate, 250 000 davon sind Raritäten. Die Sammlung ist dem Leben in Sibirien gewidmet. Im Museumfonds befinden sich Waffen und Werkzeuge des Urmenschen, eine groBe Mineraliensammlung, einmalige Herbarien, Tier-und Vogelbälge, alte handgeschriebene Bücher, Berichte geographischer und geologischer Expeditionen, Kleidungstücke aus vergangenen Jahrhunderten sowie Erzeugnisse des Kunsthandwerks.
DAS KUNSTMUSEUM.
Geöffnet von 10 bis 18, Ruhetag – Dienstag.
Es wurde im Jahre 1870 ursprünglich als eine Privatsammlung gegründet. Etwa 14 000 Kunstwerke: Gemälde, Skulpturen, Mosaik. Die Exposition der orthodoxen Heiligenmalerei enthält Ikonen der Nowgoroder und Sibierischen Malschulen (16.-17. Jh.). Neben Werken der russischen Kunst verfügt das Museum auch über Gemälde westeuropäischer Maler des 16.-19. Jh.
DAS DEKABRISTENMUSEUM.
Eröffnet von 10 bis 18, Ruhetag – Dienstag.
Das ehemalige Haus eines der Führer der Dekabristenbewegung Sergej Trubezkoi. Irkutsk ist ein allgemein anerkannter Dekabristenzentrum in Russland. Die Häuser, in denen die Familien der Adelsrevolutionäre Sergej Trubezkoi und Sergej Wolkonski gewohnt haben, sind heute als Dedenkstätten gestaltet. Die Exposition enthält wie einzigartige Gebrauchsgegenstände, die den Dekabristen gehörten, als auch restaurierte – Möbel, Musikinstrumente, die typisch für jene Zeitperiode waren.
KIROW-PLATZ.
Das ist eine groBe malerische Grünanlage ganz in der Mitte der Stadt. Hier befinden sich die Gebäuden der Irkutsker Staatlichen Universität und der Urkutsker Staatlichen Linguistischen Universität, die Gebäuden der Stadtduma und der Gebietsverwaltung.
DAS IRKUTSKER KLOSTER ZU MARIA ERSCHEINEN.
Es wurde 1683 gegründet. Innerhalb der Kircheneinfriedung wurden solche Persönlichkeiten wie Dekabristen Pjotr Muchanow, Nikolai Panow, Wladimir Bestschasnow bestattet. Neben dem Grab von Bestschasnow befindet sich das Grabmal von Jekaterina Trubezkaja mit ihren 3 Söhnen – Fürstin und Gattin eines der Begründer und Leiter des geheimen Nordbundes der Dekabristen Sergej Trubezkoi. Sie war die erste Ehefrau, die auf eigenen Wunsch ihren zur Zwangsarbeit verurteilten Mann nach Sibirien folgte. Hier liegt auch der Grab von Gregori Schelechow /Kaufmann, Reisender, Erforscher, Seefahrer, der Alaska und Kalifornien erreichte, einer der Begründer der Russisch-Amerikanischen Handelsgesellschaft.
ULIZA KARLA MARXA (Karl-Marx-Straße)
Die Karl-Marx-Straße ist eine der HauptstraBen der Stadt – groBe ProspektstraBe. Hier liegen das Gebäude der Poliklinik, Irkutsker Ochlopkow-Gebietsschauspielhaus, Irkutsker Heimatkundemuseum, das weiBe Haus – die wissenschaftliche Bibliothek der Iirkutsker Staatlichen Universität.